Schulschlussfete-40-grad
NewsMontag, 31. Oktober 1983

10 Jahre Orange: Eine Dekade, die Erlangen verändert hat

Es war einmal...

Anfang der 70er Jahre wurde in Erlangen ein neues Konzept zur Freizeitgestaltung der Jugend gebraucht. Die Stadt und die Kirchen wurden aufgefordert, Räume für die Jugend und ihre Kultur zur Verfügung zu stellen. Die ersten, die dieser Aufforderung folgten, waren Jugendliche aus Sieglitzhof und Umgebung, die in dem neu errichteten Pfarrzentrum von St. Theresia einen Jugendclub eröffnen wollten.

Am 06.11.1972 war es so weit, und der erste Jugendclub Erlangens erhielt den Namen „PARAS", was für „PArty-ume-Sieglitzhof" stehen sollte. Acht mutige Gründungsmitglieder wagten das Experiment: Hannjürg Lacher, Michael Nimes, Günter Sarcletti, Reinhold Pröbstle, Gregor Sagner, Karsten Ruschhaupt, Renate Brandel und Klaus Fella.

Es gab jedoch noch viel zu tun, denn das Pfarrzentrum in Sieglitzhof war noch nicht fertig und die Räume, in denen der Jugendclub zu Hause sein wollte, befanden sich noch im Rohbau.


Die Geburt des „Orange"

Doch noch vor der Eröffnungsfeier am 25.11.1973, an der es 100l Freibier gab und die von ca. 500 Leuten besucht wurde, entstand eine Diskussion um den Namen „PARAS", den viele der Mitarbeiter nicht mehr haben wollten. So gab es am 21.09.1973 ein einstimmiges Votum für einen neuen Namen und der Jugendclub Orange war geboren.

Wie ein Witz mutet es auch an, daß die Elektronikfirma „ORANGE" noch als Namenspatronin herhalten mußte.


Der legendäre Eröffnungstag

25. November 1973 – ein Datum, das in die Geschichte eingehen sollte. Wie ein Witz mutet es auch an, daß das wegen seines Lärms seither gefürchtete Orange gerade am ersten autofreien Sonntag in der Geschichte der Bundesrepublik eröffnet wurde. Doch nicht nur den Anwohnern wurde akustische Schonkost präsentiert, auch die ca. 500 Gäste mußten am Eröffnungstag mit einer bereits defekten Lichtanlage vorlieb nehmen.


Die erste Bewährungsprobe

In den zwei Jahren nach der dennoch geglückten Premiere mußte das Orange seine erste und bisher größte Bewährungsprobe überstehen. Sie bestand aus gewalttätigen Übergriffen einer größeren Gruppe einheimischer Schläger, die die durchwegs jüngeren und körperlich unterlegenen Mitarbeiter und Gäste terrorisierten.

Es spricht für die ungebrochene Moral der Mitarbeiter sowie die Solidarität und den Mut des Pfarrers und einiger Mitglieder des Pfarrgemeinderates, namentlich der Herren Zeh, Kreutzer und Pannewick, daß sie sich von den sogenannten „Minirockern" nicht einschüchtern ließen und den Gästen, ungeachtet des „Kampfgeschehens", viele schöne und interessante Veranstaltungen präsentierten. Zu diesen gehörten die ersten Weihnachtspartys, Faschingsveranstaltungen und zahlreiche Rocksessions.


Finanziell auf eigenen Beinen

Das Orange hatte anfangs von einem einmaligen Finanzzuschuß der Gemeinde in Höhe von DM 5.000,- gezehrt, der jedoch schon bis Ostern 1974 zurückgezahlt werden konnte. Seitdem steht das Orange finanziell auf eigenen Beinen. Auch die Verwaltung und Organisation durch die von den Mitarbeitern gewählten Mandatsträger wird getragen.


Meilensteine der ersten Dekade

Im ersten Jahr des Orange waren die Feiern unregelmäßig, aber gut besucht.

Zum Fasching 1974 war das Orange am Samstag und am Sonntag geöffnet und die Feier war ein großer Erfolg. Ab jetzt wurde das Orange regelmäßig Sonntags zum Magneten für die Erlanger Jugend.

1975 wurde zum ersten mal die Schulschlussfete veranstaltet, damals noch am Sonntag vor dem letzten Schultag. Diese Schulschlussfete sollte sich in den darauffolgenden Jahren zum größten Event am letzten Schultag in Nordbayern entwickeln und das Orange zum Kult in Erlangen und Umgebung machen. In diesem Jahr wurde auch zum ersten mal die sehr erfolgreiche Weihnachtsfeier veranstaltet, ebenfalls am Sonntag vor Weihnachten, in späteren Jahren an Heiligabend.

Auf der ersten Tagung im März 1976 auf Burg Feuerstein wurden dann die wohl wichtigsten Beschlüsse für das Orange abgestimmt und die Weichen für die Zukunft gestellt. Das Orange sollte jeden zweiten Freitag (später dann jeden Freitag) im Monat von 17 bis 21 Uhr für Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren öffnen, sowie Sonntags von 18 bis 23 Uhr für Jugendliche ab 15 Jahren. Diese Öffnungszeiten hatten mit kleineren Änderungen durch Verschärfung des Jugendschutzgesetzes fast zwei Jahrzehnte Gültigkeit und sicherten den größten Erfolg des Orange.

1976 wurde auch die Schulschlussfete erstmals am letzten Schultag ausgerichtet.

Sommer 1976: Der erste Discoumbau. Die Teestube hat schon ihren zweiten Bauabschnitt hinter sich und schmückt sich nun mit einer L-förmigen Verkaufstheke, als wir uns im Sommer '76 an den ersten Discoumbau wagen. Der Bierverkauf sagt sich samt Bierlager vom DJ los und wird nun nahe am Discoeingang plaziert, damit die Massen mit ihrem Durst nicht erst über die Tanzfläche zu strömen brauchen. Hans Müller konstruiert für die Kühlschränke den ersten eigenen Schaltschrank, dem noch viele folgen sollen.

Pfingsten 1980 haben wir im Orange gespielt, als der Faßbiergarten seinen Wasseranschluß bekam. Das war ein Umbau mit Einsatz von schwerem Gerät, jedoch weder unsere teuerste noch langwierigste bauliche Maßnahme.

Am 05.04.1981 trat ein neues 4er-Geschäftsführer-Team an: Gerd Feulner, Werner Achenbach, Hans-Dieter Zimmermann und Lilo Klinge.


Grußwort von Pfarrer Wolfgang Will

„Im Namen der Gemeinde St. Theresia möchte ich dem Orange zu seinem 10. Geburtstag alles Gute wünschen. 10 Jahre sind keine allzu lange Zeit, aber jungen Leuten bedeuten 10 Jahre vielleicht mehr als Erwachsenen.

Vor 10 Jahren tat sich eine Gruppe zusammen, die zum Teil aus Jugendlichen der Gemeinde bestand, um ihren Altersgenossen ganz einfach Unterhaltung in der Freizeit zu bieten. Daß der Jugendclub dann solche Ausmaße annehmen würde, dachte man damals nicht, aber offensichtlich besteht ein Bedarf. An jedem Wochenende sind es ja Hunderte, die ins Orange kommen, ganz einfach, um unter sich zu sein, vom Alltag abzuschalten und sich wohl zu fühlen. Und sollte allein dies die "Kirche" nicht begrüßen und unterstützen? Ist es nicht etwas Positives, wenn Menschen, in diesem Fall junge Menschen, sich ganz einfach freuen?

Allen "Orange"-Mitarbeitern der letzten 10 Jahre, die sich dafür eingesetzt haben, möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich danken und ihnen, sowie allen Besuchern, weiterhin viel Freude bei ihrer Arbeit beziehungsweise ihrem Besuch wünschen."

W. Will (Pfarrer)


Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Dietmar Hahlweg

„Im November 1983 feiert der Jugendclub Orange der katholischen Pfarrgemeinde St. Theresia sein 10jähriges Bestehen.

Gerne nehme ich dieses Jubiläum zum Anlaß, den aktiven Mitgliedern und all denjenigen Helfern zu danken, die im Interesse der Allgemeinheit die im Orange so engagierte und erfolgreiche Jugendarbeit leisten. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, daß der Jugendclub Orange seit seiner Gründung zu einem der größten und beliebtesten Jugendclubs Erlangens herangewachsen ist.

Einen besonderen Dank spreche ich der katholischen Kirchengemeinde von St. Theresia aus, die nicht nur die Räume zur Verfügung stellt, sondern zusammen mit den Organisatoren des Jugendclubs tatkräftig dazu beigetragen hat, daß die Störungen der Nachbarschaft, die naturgemäß mit dem Betrieb eines Jugendclubs verbunden sind, auf das machbare Mindestmaß beschränkt werden konnten.

Ich möchte mein Grußwort auch dazu nutzen, ein herzliches Dankeschön an die Nachbarschaft auszusprechen für das Verständnis, welches sie dem Jugendclub Orange entgegenbringt.

Der Jubiläumsveranstaltung wünsche ich einen beschwingten und erfolgreichen Verlauf, allen Besuchern viel Freude an ihrem Jugendclub Orange und diesem für die Zukunft alles Gute."

Dr. Dietmar Hahlweg, Oberbürgermeister


Auf die nächsten 10 Jahre! 🍊

Der Jugendclub Orange – seit 1972/73 der älteste, größte und wahrscheinlich schönste Jugendclub Erlangens.