Hier geht's los!
ORANGE 5 – die Festzeitschrift zum fünfjährigen Bestehen des Jugendclub Orange im Gemeindezentrum St. Theresia für unsere Freunde und Besucher liegt jetzt vor euch, und wir hoffen, daß sie euch wieder soviel Spaß bereitet wie unsere Erste.
Wieder ist Ernstes mit Heiterem gemischt, Unterhaltung mit Information und Anregung verbunden, und wieder ist es unser Hauptanliegen mit diesen Seiten die Beziehung zwischen Mitarbeitern und Gästen zu verbessern, ja mitunter überhaupt erst eine herzustellen.
Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns gegenüber Stellung zu dieser Zeitung und den angesprochenen Themen nehmen würdet. In der Hoffnung auf weiter für alle Beteiligten und Angesprochenen guten Jahre verbleibe ich
euer Uli ✍️
5 Jahre Orange – Das Grußwort von Kaplan Wolfgang Will
Ein gar nicht so kleines Jubiläum, das man schon ein wenig feiern sollte.
Auch ein kleiner Rückblick und Ausblick ist angebracht. Rückschauend muß man sagen, das Orange mit seinem Discothekenbetrieb erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. 300 - 500 Besucher am Sonntag sind die Regel. Zu den Sonntagsveranstaltungen sind alle 14 Tage die Freitagspartys für die 13 - 16jährigen gekommen. Auch die Veranstaltungen zum Ferienbeginn kommen jeweils gut an: vor den großen Ferien kamen allein tagsüber über 1000 Gäste, die fast das ganze Gemeindezentrum bevölkerten.
In meinem Rückblick möchte ich aber vor allem meinen ganz besonderen Dank an alle Verantwortlichen des Orange mitaufnehmen. Es ist ja nicht immer ganz leicht, alle Veranstaltungen gut über die Bühne zu bringen. Auch die "Saubermänner", die danach alles wieder in Ordnung bringen, sollen lobend erwähnt sein.
Es darf schon einmal anerkennend gesagt sein, daß seit fünf Jahren die Jugendlichen in eigener Verantwortung "den Laden schmeißen". Wo findet man heute eine öffentliche Einrichtung, die ohne jede Bezuschußung und Belastung des Steuerzahlers (auch Kirchensteuerzahlers) auskommt, und so vielen Besuchern etwas bietet.
Einen Dank aber auch an die unmittelbaren Nachbarn, die Verständnis haben, daß junge Leute nicht immer ganz leise sind.
Ausblick in die Zukunft
Und nun ein kleiner Ausblick in die Zukunft. Vor zwei Jahren brachte ich die Anregung, noch weitere Angebote zu machen. Einige Versuche wurden auch unternommen und sollten weiterhin gewagt werden. Ich glaube nämlich, daß die "Kinderkrankheiten" des Orange allmählich überwunden sind, und man sich Gedanken über weitere Aktivitäten machen könnte.
Das ist natürlich keine leichte Sache. Denn zu allererst suchen die jungen Leute Entspannung und Unterhaltung, und das ist auch richtig. Aber wir alle, ob jung oder alt sind heute in vielen Fragen so hilflos oder zumindestens doch unsicher geworden, daß man doch auch etwas tiefer gehen sollte.
Dazu wünsche ich dem Orange weiterhin alles Gute, auch im Namen (fast) der ganzen Gemeinde St.Theresia!
Wolfgang Will (Pfarrer)
Cockpitsicht – Ein Abend aus der Sicht eines Orange-DJs 🎧
Von Horst Bälz
Um halb 6 ist für einen Orangediscjockey die Welt noch in Ordnung. Da kommt man voll Tatendrang an und legt erstmal ne Platte auf. Und weil man jetzt den Eindruck einer Tätigkeit erweckt, kann man mit einer Mitarbeiterin (zur Not tut es auch ein männliches Exemplar) tratschen.
Hat man aber ausgerechnet am Sonntag seine Arbeitswut, schaut man die Plattensammlung durch (es sind ja nur ein paar Hundert und wenn's hochkommt kennt man sowieso nur die Hälfte). Vielleicht hat der Hans wieder einen Schwung neue Platten eingekauft.
Dann ist es schon 6 und genau die richtige Zeit, sich für seine Schicht in der Teestube das nötige dicke Fell anzusaufen.
Um halb 7 sind dann schon die ersten 10 1/2 Gäste da (meistens Mädchen unter 16, die dank ihrer körperlichen Konstitution – oder sollte man besser "ihrem Talent zur Vortäuschung falscher Tatsachen sagen" – dem Typen an der Kasse wieder mal die Augen verdreht haben.)
Das große Rätselraten
So gegen 7 fängt für jeden O-Discjockey das große Rätselraten an: Worauf steigt die Meute heute ein???
Und vorsichtig wird vom Hardrock bis zum süßlichen Discosound alles ausprobiert. Zeigt die Meute auf keine Stilrichtung irgendeine Reaktion, hilft nur noch ein gesundes "heut is mir alles egal".
Sollten sich die Leute aber doch zum Tanzen bewegen, steigt der Jockey zu ungeahnter Größe auf. In wildem Enthusiasmus drückt er Schalter (von denen er im seltensten Fall weiß, wozu sie eigentlich da sind, und ob sie überhaupt funktionieren) und dreht hier und da, daß einem Sechsarmigen der Schweiß herunterlaufen würde.
Die neue Superanlage
Zum Glück haben wir ja jetzt eine Ultrahypergalaxisschallluxusidiotensichergedämpftaufundabfahrbaranlage.
Zur Freude aller DJockeys muß man die Plattenteller nicht mehr mit der Hand anschmeißen. Und obwohl das Auswechseln einer Nadel jetzt anstatt 2 nur 20 Minuten in Anspruch nimmt, und die Lautsprecher eines Kaotenclubs mehr als würdig sind, hat doch deutlich der Fortschritt ins "O" Einzug gehalten.
Man kann jetzt auch überall hinlangen, ohne fürchten zu müssen, daß man auf einmal unter 220 V steht. Zwar ist man nie sicher, ob nicht jemand unserem Chefelektriker die Arbeit abgenommen hat und Papi eine Glühbirne ausgewechselt hat, wie sein Papi (er ist ja Fachmann, weil er schon mal gesehen hat) bei den vielen bunten Kabeln in unserem Schaltkasten nicht doch heimlich irgendeinen kindlichen Spieltrieb...
betrifft: SCHULSCHLUßFETE 🎉
Ein riesiger Erfolg war die diesjährige (zweite) Schulschlußfete!
Morgens um 10 begann ein munteres Treiben um und im Orange, das erst um Mitternacht ein Ende fand. Zum Glück hatte auch Petrus ein Einsehen, so daß wir mit Grillen und Faßbierausschenken kaum nachkamen.
Mittels eines halben Schweines und einer großen Salatbar wurden jedoch alle satt.
Dazu sorgten Emil's Dixieband, Nightingale und Tom und Terry im Freien für die nötige Musik. In der Disco ging es schon zwischen 11 und 2 hoch her, aber abends platzte bei der Vorstellung der Jahreshitparade wieder alles aus den Nähten, trotzdem war die Stimmung erfreulich sanft.
Das angekündigte Konzert mit Sudden Change fiel aus, da zwei Bandmitglieder auf der Herfahrt einen Autounfall hatten. Unser besonderer Dank gilt allen die sich an der Ersatz-Session im Pfarrsaal beteiligten, den vielen freiwilligen Helfern, ohne die wir dieses Mammutfest nicht über die Bühne gebracht hätten!
PS-Orange – Der Fuhrpark unserer Mitarbeiter 🚗
Von Ulrich Trebst
Wenn ich so überlege, fallen mir zwei Dinge ein, die die Orange-Mitarbeiter verbinden: die Liebe zu Autos und zum Skifahren.
Dem steht die ununterbrochene Orange-Rallye gegenüber. Hier wird in den Kategorien Fahrzeug- und Fahrzeuteilverschleiß, Anzahl der nervlich ans Ende gebrachter Mitfahrer, schnellste Schleife nach Hohenschwärz und zurück, sowie glücklich überstandene "near-misses" erbarmungslos um Punkte und Überlebenschancen gefightet.
Unser Fuhrpark:
- Klaus wird seinen neuen Wagen bestimmt genauso wie sein Cabrio stets unbeirrbar auf der Ideallinie durch die Kurve jaulen lassen
- Uli mit dem RO 80 (mit hundert Sachen am Bordstein abgestellt), jetzt Alfasud
- Hans-Peter – niemand blickt durch, welche und wieviele Autos er im Moment besitzt: Fiat 126, BMW 2500 und ein Peugeot 204 (original Uli-Schrott)
- Horst ist seinem sonderbaren Gefährt schon länger treu: "Einen himmelblauen Karman Ghia fahren ist keine Frage des Geschmacks, sondern der Lebenseinstellung"
- Gerd: "Ein 69er Escort ja der hält, auch wenn er innerlich zusammenfällt"
- Hans-Dieter pflegt nicht nur den solidesten Fahrstil des Orange, sondern mit einem neuen Opel Kadett auch das entsprechende Auto
- Spinni-Klaus – sein VW-Bus hat hinten eine irre Liegefläche, sprich Spielwiese...
Musik im Orange – Von Hardrock bis Discosound 🎵
Was mir auch nicht in den Kopf geht, warum braucht ihr so unheimlich lange, bis ihr mal zu tanzen beginnt? Ist der Mensch tatsächlich so ein Herdentier? "Schau mal, da tanzen welche! Tanzen wir auch?" Müssen es immer altbekannte Lieder sein?
Dominierende, richtungsweisende Gruppen in Bezug auf Discothekenfähige Musik (was anderes bestreite ich nicht) sind derzeit wohl hinter dem Horizont verschwunden. Sage mir keiner: Jethro Tull, Alan Parsons, Genesis, Pink Floyd, Rolling Stones (etwas besser geworden) usw. seien überzeugende Musikgestalter. Sicher sie sind technisch perfekt. Aber musikalisch?
Beispiel: Baker Street – Gerry Rafferty. Die Platte gibt es im Orange seit Anfang Februar, also lange vor anderen Clubs, lange bevor sie in den Hitparaden empor geschnellt war. Aber getanzt habt ihr bei diesem Lied erst ab Mai, obwohl es bei uns oft gespielt wurde. Ihr Herdentiere! Warum seid ihr so leicht zu beeinflussen?
Wir wollen versuchen ein kreatives, abwechslungsreiches Programm zu gestalten, durchmischt mit Bekanntem und gern gehörten Oldies. Es soll euch gefallen, aber dazu brauchen wir eure Unterstützung.
Mut zur Abwechslung und Mut zum Risiko!
Hallo Du! – Brief einer Orange-Mitarbeiterin 💌
Von Bettina Trebst, November 1978
Weißt Du, was heute jemand über mich gesagt hat? "Vom Engelchen zur Kratzbürste" – Zuerst habe ich darüber gelacht, dann aber festgestellt: es ist die Zusammenfassung meiner 2-jährigen Laufbahn als Orangemitarbeiter.
Du weißt aus meinem Brief, mit was für Illusionen ich vor 2 Jahren begonnen habe. Mittlerweile bin ich so oft frustriert nach Hause gegangen und habe mich gefragt, wieso ich überhaupt weitermache.
Beim 1000. Bier, das man verkauft, denkt man nicht mehr viel außer: Sorte, Preis, schneller, schneller...
Und das wird bestimmt nicht anders, wenn 5 Leute um die Theke stehen und meutern, weil sie etwas warten müssen. Lächelt man doch einmal und sagt ein paar Worte zu einem, so ist mir das schon zu oft passiert, daß es entweder mißverstanden wurde als anbiedern, oder als anmachen.
Ich glaube, du verstehst, wieso mir das Lächeln so schwer und selten geworden ist.
Weißt du, all die Dinge, die mir sonst noch stinken, könnte man viel besser in einem guten Gespräch sagen. Aber wenn halt keins zustande kommt, was dann?
Naja, du, vielleicht bessert es sich. Ich hoffe es, deswegen mache ich noch weiter. Und sage auch, was mir nicht passt, denn ich habe gemerkt, daß man als stummes "Engelchen" nichts ändert.
Die Redaktion und das Team 1978
Impressum:
FunktionName
Herausgeber
Jugendclub Orange, 852 Erlangen Sieglitzhoferstr. 25
Texte
Hans-Ulrich Trebst
Layout
Gregor Schießl
Fotos
Norbert Gütlein
Schreibmaschine
Heidi Hollweck & Bettina Trebst
Druck
Copy print Lehmpfuhl, Erlangen
Auflage
1000 Exemplare
Inhalt der Festzeitschrift:
- Zum Geleit – Kaplan W. Will
- Cockpitsicht – Horst Bälz
- PS-Orange – Ulrich Trebst
- Arabian Affair – Hans Müller
- Love Story – Gregor Schießl/Ulrich Trebst
- SOS An alle – Klaus Fella
- Hallo Du – Bettina Trebst
- Portraits der Mitarbeiter
Alle Artikel geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder, können jedoch als repräsentativ für die im Jugendclub vertretenen Meinungen genommen werden.

Was das Orange ausmacht
5 Jahre Orange – das sind:
- 300-500 Besucher jeden Sonntag
- Über 1000 Gäste bei Ferienveranstaltungen
- Freitagspartys für 13-16jährige alle 14 Tage
- Schulschlussfeten, die um 10 Uhr morgens beginnen
- Eine "Ultrahypergalaxisschallluxusidiotensichergedämpftaufundabfahrbaranlage"
- DJs, die von Hardrock bis Discosound alles ausprobieren
- Ein Team, das in eigener Verantwortung "den Laden schmeißt"
- Keine Bezuschussung – komplett selbstfinanziert!
- Verständnisvolle Nachbarn
- Und jede Menge Spaß! 🍊
Wie Kaplan Wolfgang Will es ausdrückte: Die "Kinderkrankheiten" sind überwunden – jetzt kann es richtig losgehen!
Quelle: Festzeitschrift zum fünfjährigen Jubiläum des Jugendclubs Orange St. Theresia (1978)
